Islandpferdereiten ist mehr als „auf einem kleinen Pferd sitzen". Es ist eine eigene Reitkultur, die sich über mehr als 1.100 Jahre auf einer einzigen Insel entwickelt hat. Als die Wikinger im 9. Jahrhundert mit ihren Pferden in Island siedelten, brachten sie eine robuste, kleine Rasse mit – und seitdem ist kein einziges anderes Pferd mehr auf die Insel gekommen. 1909 hat Island ein Importverbot erlassen, das bis heute gilt. Das Ergebnis: eine Pferderasse, die rein, gesund und genetisch einzigartig ist.
Was das Islandpferd vom „normalen" Reitpferd unterscheidet, sind seine zusätzlichen Gangarten. Während die meisten Pferde Schritt, Trab und Galopp beherrschen, haben Islandpferde noch eine vierte – den Tölt – und manche sogar eine fünfte – den Pass. Diese sogenannten Gangpferde sind der Grund, warum Islandpferdereiten als eigene Reitdisziplin geführt wird und in vielen Reitställen weltweit gezielt unterrichtet wird. Wer einmal eine taktreine Töltreprise geritten ist, versteht, warum diese Reitweise so eine eingeschworene Fangemeinde hat.
Die Gangarten: Tölt, Pass & Co.
Islandpferde werden in Viergänger und Fünfgänger unterteilt. Viergänger beherrschen Schritt, Trab, Galopp und Tölt. Fünfgänger beherrschen zusätzlich den Pass. Auf welcher Veranlagung dein Urlaubspferd liegt, hängt von der Zucht und Ausbildung ab – auf vielen Höfen findest du beides.
Tölt - der weiche Viertakt
Der Tölt ist die berühmteste Gangart des Islandpferds. Er ist ein taktreiner Viertakt, bei dem immer mindestens ein Huf auf dem Boden bleibt – es gibt also keine Sprungphase wie im Trab oder Galopp. Genau das macht ihn so angenehm zu sitzen: keine Stoßbelastung, kein Aussitzen, kein Leichttraben. Du sitzt geschlossen, das Pferd fließt unter dir hinweg.
Gut gerittene Tölter können diese Gangart vom ruhigen Spazier-Tempo bis hin zum schnellen Renntölt zeigen. Der klassische Test: ein Glas Wasser in der Hand halten, ohne dass etwas überschwappt. Den Tölt zu fühlen, gelingt vielen Reiterinnen und Reitern bereits in den ersten Stunden – ihn sauber zu reiten, ist eine Sache der Übung.
ass - der Sprint des Islandpferds
Der Pass ist die schnellste Gangart der Islandpferde. Anders als der Tölt ist er ein Zweitakt, bei dem die jeweils gleichseitigen Beine zusammen vor- und zurückschwingen. Im sogenannten Rennpass erreichen Islandpferde Geschwindigkeiten von über 45 km/h – mehr als im Galopp.
Pass wird nur auf kurzen, geraden Strecken geritten und ist nichts für den entspannten Ausritt. Er ist eher die Königsdisziplin auf Turnieren und im Rennsport. Im Reiturlaub erlebst du Pass eher selten – wenn doch, dann auf einem speziell ausgebildeten Fünfgänger und in einer geführten Situation.
Das Islandpferd in Zahlen
| Registrierte Pferde weltweit | Länder mit Zuchtverband | Gangarten beim Fünfgänger | Jahre reine Rassezucht |
|---|
| 300.000+ | 22 | 5 | 1.000+ |
Quellen: FEIF (Federation of Icelandic Horse Associations), IPZV, WorldFengur
Islandpferde-Reitferien für Anfänger
Wenn du noch nie geritten bist oder lange aus dem Sattel raus, ist das Islandpferd oft das beste erste Pferd, das du finden kannst. Mit einem Stockmaß zwischen 130 und 145 Zentimetern fällt das Auf- und Absteigen leicht, du hast nicht das Gefühl, „weit oben" zu sitzen, und der Schwerpunkt wirkt geerdet. Dazu kommt das Wesen: Islandpferde sind als Nutztiere in einer rauen Landschaft groß geworden und haben ein bemerkenswert gelassenes Temperament. Sie reagieren freundlich auf ungeübte Hilfen und verzeihen Anfänger-Fehler in einem Maß, das viele Großpferde nicht mitbringen.
In Anfänger-Reitferien lernst du in der Regel zuerst Sitz, Hilfengebung und den Umgang mit dem Pferd vom Boden aus. Danach geht es in geführten Schritt-Trab-Einheiten in den Sattel, später folgen erste kurze Tölt-Sequenzen und gemütliche Ausritte in der Gruppe. Eine Woche reicht erfahrungsgemäß, um den Tölt nicht nur zu spüren, sondern ihn auch in kurzen Reprisen selbst abrufen zu können. Familien mit Kindern finden auf vielen Höfen Parallel-Programme, sodass Erwachsene und Kinder unabhängig voneinander reiten lernen.
Islandpferde-Reitferien für Fortgeschrittene
Auch wenn du seit Jahren reitest – und vielleicht aus der klassischen Englisch-Reitweise kommst – öffnet dir das Islandpferd eine neue Tür. Viele Reiterinnen und Reiter sagen, sie hätten Balance, Losgelassenheit und Feinabstimmung mit den Schenkelhilfen erst auf einem Islandpferd wirklich begriffen. Der Tölt verzeiht keine Steifheit im Becken: Du musst dich vom Pferd tragen lassen, sonst läuft er nicht.
Fortgeschrittene Programme bieten meist gezielten Gangartenunterricht in der Reitbahn (Schritt-Tölt-Trab-Übergänge, Tempovariationen im Tölt, Galopp-Tölt-Wechsel) kombiniert mit längeren Geländeritten. Manche Höfe bereiten dich gezielt auf Töltprüfungen, IPZV-Pässe oder Wanderritttests vor. Wer Strandritte sucht, findet im skandinavischen Raum besonders weite, gangartenfreundliche Strecken - ideal, um den Tölt im Freien wirklich auszufahren.
„Ich habe Reiterinnen erlebt, die jahrzehntelang Dressur geritten sind - und nach einer Woche Islandpferd-Urlaub gesagt haben, sie hätten gerade erst angefangen, wirklich zu sitzen."
— Katja van Leeuwen
Reiturlaub mit Islandpferden – beliebte Regionen
Du musst nicht zwangsläufig nach Island reisen, um auf einem Islandpferd zu reiten – auch wenn die Vulkanlandschaften der Insel natürlich ihren ganz eigenen Zauber haben. Islandpferde werden inzwischen in ganz Europa gezüchtet, und einige Regionen haben sich besonders gut für den Reiturlaub mit Isländern etabliert:
- Skandinavien: Schweden und Dänemark gelten als das Herz des europäischen Islandpferdetourismus. Weite Wälder, lange Strände und eine reiterfreundliche Naturgesetzgebung (Jedermannsrecht in Schweden, freie Strände in Dänemark) machen die Region zur ersten Adresse für Tölt im Freien.
- Island: das Original. Mehrtägige Ritte über Lavafelder, durch Flüsse und Hochlandebenen, oft mit freilaufender Herde. Eher höheres Preissegment, dafür ein einmaliges Naturerlebnis.
- Deutschland und Österreich: viele kleinere Isländerhöfe mit Tagesritten und Wochenkursen. Ideal für ein verlängertes Wochenende oder für Einsteiger ohne weite Anreise.
Unsere aktuellen Empfehlungen für Reitferien mit Islandpferden findest du hier.
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