REISEBERICHT · GESTÜTSRUNDREISE 2026
Auf den Spuren der Champions – unsere Züchterreise durch Deutschland und Belgien
Fünf Tage, fünf Zuchtbetriebe und zwei Länder: Unsere Gestütsrundreise 2026 führte uns zu einigen der spannendsten Adressen der internationalen Sportpferdezucht – mit faszinierenden Einblicken, persönlichen Begegnungen und unvergesslichen Momenten.
Montag, 12. Oktober, 7 Uhr morgens auf dem Edeka-Parkplatz in Osterburg. Der Bus steht bereit, die Vorfreude ist groß. Vor uns liegen fünf Tage, fünf Zuchtbetriebe und zwei Länder: vom Münsterland über Flandern und zurück durchs Ruhrgebiet.
Unsere Züchterreise 2026 führte uns dorthin, wo Champions geboren werden. Begleitet hat uns Dirk Willem Rosie, Züchter, Journalist und Kenner der internationalen Sportpferdezucht. Was wir unterwegs erlebt haben, lesen Sie hier.
| 5 Reisetage | 5 Zuchtbetriebe | 2 Länder |
UNSERE REISEROUTE
Fünf Tage voller besonderer Einblicke
| Mo, 12.10. | Sportpferde Beckmann Wettringen, Deutschland |
| Di, 13.10. | Stoeterij Van de Heffinck Evergem, Belgien |
| Mi, 14.10. | Stal de Muze & T&L Tilleman & Lenaerts Sint-Niklaas und Heikant, Belgien |
| Do, 15.10. | Altstadt & Sankt-Bavo-Kathedrale Gent, Belgien |
| Fr, 16.10. | Hengststation Hoffrogge Dorsten, Deutschland |
Hippologische Leitung: Dirk Willem Rosie
Organisation: Katja van Leeuwen Reitferienvermittlung
TAG 1 · MONTAG, 12. OKTOBER
Wo junge Hengste groß werden
Sportpferde Beckmann · Wettringen
Schon die Hofeinfahrt verrät, was uns erwartet: Eine lange Allee aus kegelförmig geschnittenen Bäumen führt auf die Anlage von Mathieu Beckmann. Hier, mitten in den Zuchtgebieten von Westfalen, Oldenburg und Hannover, werden Hengste aufgezogen, ausgebildet und verkauft.
Mareike Rengers hat uns über den ganzen, sehr gepflegten Hof geführt. Ausführlich erzählte sie, worauf das Erfolgsrezept von Mathieu Beckmann beruht, und beantwortete alle Fragen unserer Gäste. Viele unserer Züchter kannten den Betrieb bereits: Sie haben hier schon Frischsamen bezogen.
Der Star des Tages war Grand-Prix-Hengst Benicio, der in Wettringen seinen Lebensabend verbringt. Als wir ihn trafen, hatte er sich gerade genüsslich in der Halle gewälzt. Nebenan stand sein Sohn Be my Dancer, ein Westfale aus dem Jahr 2019. Auch Fürst Samarant haben wir besucht. Er zeigte sich nur in seiner Box und schaute uns eher grimmig an.
Spannend war der Blick hinter die Kulissen der Aufzucht. Rund 70 Hengstfohlen kauft Beckmann jedes Jahr ein. Wir haben die Ein- und Zweijährigen gesehen und die dreijährigen Verkaufshengste, die bereits angeritten sind. Ihr Reitplan hängt gut sichtbar an der Wand. Die aktuellen Top-Junghengste waren leider nicht vor Ort: Sie werden gerade bei ihren Ausbildern auf die Körung vorbereitet.
Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir das Hotel zur Krone in Gescher. Das traditionsreiche Haus von 1780 wird in achter Generation als Familienbetrieb geführt. Schon das Schild mit Kutsche und Pferden über dem Eingang passte zu uns. Der Abend klang gemütlich aus, mit herrlich leckerem Essen.
TAG 2 · DIENSTAG, 13. OKTOBER
Willkommen in Belgien
Stoeterij Van de Heffinck · Evergem
In Ostflandern empfing uns eine Familie, deren Name in der Springpferdezucht einen besonderen Klang hat. Hubert Hamerlinck hat aus einem Landwirtschaftsbetrieb eine erfolgreiche Sportpferdezucht gemacht. Heute führen Tochter Melanie und ihr Mann Thomas den Betrieb mit.
Zuerst wurde uns Airborn vd Heffinck vorgestellt. Danach ging es mitten hinein zu den Fohlen: Neugierig drängten sie sich um Melanie Hamerlinck und Dirk Willem Rosie. Auf der Weide grasten die Stuten mit ihrem Nachwuchs. Diese Stutenlinie ist das Herz des Betriebs.
Wie erfolgreich sie ist, zeigen die Erinnerungen im Haus. Aus ihr stammt Olympiahengst Vivant van de Heffinck, der 2012 in London am Start war. Daneben hängt eine Schärpe als Erster Reservesieger der BWP-Hengstkörung. Zum Abschluss sahen wir einen Junghengst von Cooper vd Heffinck aus einer Chacco-Blue-Mutter beim Freispringen.
Unser Fazit des Tages: Hier haben wir gesehen, wie profitabel Zucht und Sport sein können, wenn man sich die Zeit nimmt, die eigenen Pferde auszubilden und im Sport zu zeigen. |
Am Abend checkten wir im Hotel Flandre mitten in Gent ein. Passender hätte die Unterkunft nicht sein können: Um 1900 reisten die Gäste hier mit ihren Pferden an, und die Zimmer im Innenhof waren früher Stallungen. Die heutigen Eigentümer sind seit drei Generationen leidenschaftliche Pferdeliebhaber.
TAG 3 · MITTWOCH, 14. OKTOBER
Der Tag, auf den sich viele am meisten gefreut haben
Stal de Muze · Sint-Niklaas, Belgien
Stal de Muze gilt vielen als eine der erfolgreichsten Springpferdezuchten überhaupt. Legenden wie Nabab de Rêve und Vigo d'Arsouilles haben hier Geschichte geschrieben. Joris De Brabander begrüßte uns persönlich und nahm sich viel Zeit für das Gespräch mit Dirk Willem Rosie und unseren Gästen.
Joris ist eine charismatische Persönlichkeit. Seit 30 Jahren treibt er die Innovation voran. Als Vorreiter moderner Zuchttechniken arbeitet er unter anderem mit berühmten Sportstuten, um den genetischen Fortschritt voranzubringen. Sein Grundsatz: Nur aus den allerbesten Stuten züchten – gute Papiere allein genügen nie.
Sein Sohn Valentijn stellte uns Bamako de Muze vor. Danach sahen wir einen Teil der Empfängerstuten, die die Embryonen der Spitzenstuten austragen. Ein Highlight war Vanilla Ice de Tamise, ein sehr schöner und talentierter junger Hengst von Kasanova de la Pomme. Dazu kamen Freispringen und ein Hengst an der Hand.
Ein Detail hat viele überrascht: Die Deckhengste dürfen aus EU-Hygieneschutzgründen nicht aus ihren Boxen schauen. Nach einem Lunch bei Familie De Brabander ging es weiter zur nächsten Station.
Weiter zu T&L Tilleman & Lenaerts
Heikant · Belgien
In Heikant, nahe der niederländischen Grenze, führte uns Luc Tilleman über seine Anlage. Besonders beeindruckt haben uns die durchdachte, funktionale Reitanlage und die wunderschönen, top entwickelten Springhengste. Die Stuten stehen an eigenen Standorten, und auch die Besamung findet an einem separaten Standort statt.
Vorgeführt wurde uns Orak D'Hamwyck T&L, ein Sohn von Tobago Z aus einer Toulon-Mutter. Mit Frédéric Vernaet springt er erfolgreich auf 1,60-m-Niveau, unter anderem mit einem 8. Platz im Weltcup von Bordeaux. Nach der Vorstellung durften wir zusehen, wie er gewaschen wurde.
Ebenso eindrucksvoll: Demonic vd Radstake T&L Z, ein Rappe von Dominator 2000 Z. Er besticht durch Explosivität, Kraft und Bascule und springt in diesem Jahr mit Frédéric den Übergang zum internationalen Sport. Toulon, der große Vererber des Stalls, war bei unserem Besuch leider nicht vor Ort.
Zum Abschluss empfing uns Luc in einem sehr modernen Raum mit Blick auf zwei Reithallen. An den Wänden und auf den Tischen: Schleifen, so weit das Auge reicht.
TAG 4 · DONNERSTAG, 15. OKTOBER
Gent zeigt sich von seiner schönsten Seite
Altstadt & Sankt-Bavo-Kathedrale · Gent
Nach drei Tagen voller Pferde gab es heute Kultur. Ganz ohne Pferde ging es aber nicht: Im Hotel Flandre erinnern zahlreiche Gemälde an die Pferdegeschichte des Hauses, etwa ein Rappe vor einer Kutsche.
In der Sankt-Bavo-Kathedrale standen wir vor dem Genter Altar der Brüder Hubert und Jan van Eyck, vollendet 1432. Er gehört zu den bedeutendsten Kunstwerken Europas. Wer davor steht, versteht, warum.
Danach blieb Zeit für die Stadt. Die Studentenstadt Gent hat alle begeistert: imposante mittelalterliche Gebäude, viele Kirchen und eine entspannte Atmosphäre mit gemütlichen Cafés und Terrassen. Was Gent so besonders macht, sind die alten Gildehäuser direkt am Wasser. Und abends ist man regelrecht verzaubert, wenn die historischen Gebäude beleuchtet sind.
Unterwegs kamen wir an Prachtbauten wie dem alten Postgebäude vorbei, an der Burg Gravensteen und an Schaufenstern voller Pralinen. Bierliebhaber kamen im Dulle Griet auf ihre Kosten: Die traditionsreiche Bierbar führt 500 Biersorten.
Am Nachmittag ging es zurück nach Deutschland. Übernachtet haben wir im Van der Valk Hotel in Mönchengladbach.
TAG 5 · FREITAG, 16. OKTOBER
Ein Abschluss, wie er schöner nicht sein könnte
Hengststation Hoffrogge · Dorsten
Unsere letzte Station lag am Rande des Ruhrgebiets, an der Grenze zwischen Westfalen und dem Rheinland. Die Pferdebetriebe Hoffrogge sind ein über Generationen gewachsenes Familienunternehmen.
Hier hat uns die Familie gezeigt, wie vielseitig ein Betrieb sein kann: Spring-, Vielseitigkeits- und Dressurpferde unter einem Dach. Inhaber Jens Hoffrogge reitet international in der Vielseitigkeit. Seine Lebensgefährtin Beatrice, ehemals Bereiterin im Stall von Isabell Werth, bildet die Dressurpferde bis zum Grand Prix aus.
Familie Hoffrogge hatte für uns ein sehr abwechslungsreiches Programm vorbereitet, worüber sich alle sehr gefreut haben. Nach einem kleinen Lunch hieß es Abschied nehmen.
Mit großer Zufriedenheit haben wir diese Gestütsrundreise abgeschlossen und den Heimweg nach Osterburg angetreten.
UNSER RÜCKBLICK Fünf Tage, die in Erinnerung bleibenFünf Tage, fünf Zuchtbetriebe, zwei Länder und unzählige Gespräche über Pferde. Jeder Betrieb hat uns etwas anderes gezeigt: die Aufzucht junger Hengste bei Beckmann, die Kraft einer großen Stutenlinie bei Van de Heffinck, Innovation in der Zucht bei Joris De Brabander, eine durchdachte Anlage bei Luc Tilleman und Vielseitigkeit bei Hoffrogge. Was alle verbindet: Erfolgreiche Zucht braucht Geduld, die besten Stuten und den Mut, die eigenen Pferde im Sport zu zeigen. Herzlichen Dank an alle Gäste für die wunderbare Gemeinschaft, an Dirk Willem Rosie für seine fachkundige Begleitung und an alle Gestüte, die uns so großzügig ihre Türen geöffnet haben. |
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